Kinder und Jugendliche: Mindestquote von 20 Prozent durchgesetzt
Seit dem 1. Januar stehen Psychotherapeuten, die ausschließlich Kinder und Jugendliche behandeln, mindestens 20 Prozent der vertragspsychotherapeutischen Sitze zu. Damit konnte die nordrhein-westfälische Psychotherapeutenkammer eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen erreichen.
Die Grundlagen des Erfolgs wurden bereits in den politischen Beratungen des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-WSG) gelegt. Gemeinsam mit der Bundespsychotherapeutenkammer engagierte sich die Kammer intensiv während des gesamten Gesetzgebungsverfahrens. Sie setzte sich damit nachdrücklich dafür ein, die Entschließung der 21. Kammerversammlung vom 25. April 2008 umzusetzen. Darin forderte die Versammlung, für Psychotherapeuten, die Kinder und Jugendliche behandeln, mindestens 20 Prozent der Praxissitze zu reservieren.
Die Psychotherapeutenkammer NRW schrieb alle Mitglieder des Deutschen Bundestages aus NRW an und informierte insbesondere diejenigen, die dem Gesundheitsausschuss angehören, detailliert über die Unterversorgung bei psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Dadurch konnten sowohl das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium (MAGS) als auch verschiedene Abgeordnete für eine 20-prozentige Mindestquote gewonnen werden.
Die Bundesregierung hatte zunächst nur eine Quote von zehn Prozent geplant. Kinder und Jugendliche machen jedoch ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus. Sie erkranken ebenso häufig an psychischen Störungen wie Erwachsene. Bisher waren jedoch bundesweit nur 13,6 Prozent der Psychotherapeuten in der vertragsärztlichen Versorgung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Eine Mindestquote von zehn Prozent hätte die Versorgung also nicht verbessert.
Die Folgen der Unterversorgung waren jedoch nicht mehr akzeptabel. Dazu gehören monatelange Wartezeiten, unzumutbar weite Anfahrtswege und Fehlversorgung durch einseitig pharmakologische Behandlungen. Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen kann sich aufgrund der Mindestquote von 20 Prozent jetzt verbessern. Bundesweit könnten bis zu 700 zusätzliche Praxissitze für Psychotherapeuten, die ausschließlich Kinder und Jugendliche behandeln, frei werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) rechnet allein mit rund 190 neuen Sitzen, davon 40 in Köln.
Bis diese Sitze ausgeschrieben werden, können allerdings noch Monate verstreichen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) muss erst eine Berechnungsvorschrift erlassen, die in die Bedarfsplanungs-Richtlinie eingearbeitet wird. Dies wird vermutlich einige Monate in Anspruch nehmen. Ergeben sich in 2009 aufgrund der neuen Kinderquote zusätzliche Zulassungsmöglichkeiten, werden die Landesausschüsse der Ärzte und Krankenkassen dies veröffentlichen, z.B. die KV Nordrhein in „KVNO aktuell“ oder die KV Westfalen-Lippe in ihrem „Abo-Service“ mit der monatlichen Liste der Psychotherapeutensitze.
