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Kammer für Psychologische
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Nordrhein-Westfalen

Der Tod ist immer präsent – Organtransplantationen



Burkhard Tapp, BDO
Burkhard Tapp, BDO

Im Jahr 2008 fanden in Deutschland 4.675 Organtransplantationen (einschließlich Lebendspende-Transplantationen) statt. Das reichte nicht, um allen denjenigen eine Chance zu geben, die auf der Warteliste standen. 1.054 Menschen starben, während sie auf ein neues Organ warteten. Burkhard Tapp, 53 Jahre, hat Glück gehabt. Er bekam vor sieben Jahren zwei neue Lungenflügel transplantiert. Seit Jahren übt er verschiedene Funktionen im Bundesverband der Organtransplantierten (BDO) aus.

Ein neues Organ ist für nicht wenige Menschen die einzige Möglichkeit zu überleben. Was kann die notwendige Transplantation zu einem traumatischen Erlebnis machen?
Schwierig ist zunächst die Zeit vor der Operation, die Zeit des Wartens. Sie ist meistens eine Zeit der Ungewissheit und Angst. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Oft dauert es mehrere Jahre, bis ein passendes Organ verfügbar ist. Auf eine neue Niere wartet der Empfänger durchschnittlich fünf bis sechs Jahre. Die Dialyse ist jedoch eine Möglichkeit, die Zeit zu überbrücken. Bei Leber, Herz und Lunge haben die Patienten oft nicht so viel Zeit. Auf eine neue Lunge wartet ein Patient im Durchschnitt bis zu zwei Jahre. Er weiß nicht, ob die Zeit, die ihm bleibt, noch reicht. Er lebt mit einer ständigen Angst vor dem Tod. Der Tod ist fast immer präsent.

Die Angst bestimmt aber auch noch nach der Transplantation das Lebensgefühl. Warum?
Der Patient weiß nicht, ob der Körper das neue Organ annimmt oder abstößt. Jeder Infekt ist lebensgefährlich. Eine Abstoßung ist nicht rückgängig zu machen, nur aufzuhalten. Die Chance, innerhalb kurzer Zeit ein weiteres neues Organ zu bekommen, ist sehr gering. Die Existenzangst kann damit unterschwellig das prägende Lebensgefühl bleiben.

Kann überhaupt wieder ein normales Leben entstehen?
Das hängt von den Kompetenzen des Organempfängers ab, mit psychischen Belastungen umzugehen. Viele entdecken sogar ungeahnte Potenziale, mit erheblichen Belastungen zu leben. Es ist aber sehr verständlich, wenn sich jemand überfordert fühlt. Dann raten wir zu einer Psychotherapie. Auch die Angehörigen sind häufig überfordert. Auch sie können nur mitwarten und mitleiden, ohne aktiv zur Lösung der Situation beitragen zu können. Nicht selten entsteht eine Sprachlosigkeit in den Familien, weil keiner den anderen zusätzlich belasten möchte.

Wie sehen die Belastungen aus, wenn ein Familienmitglied sein Organ spendet?
Wie freiwillig ist schon eine  Entscheidung von Eltern, ein Organ für ihr Kind zu spenden, und damit ihr eigenes Fleisch und Blut zu retten? Mit der Entscheidung können die Eltern aber eben auch sehr viel geben, eine große Zuneigung ausdrücken. Lebenspartner berichten übrigens sehr häufig davon, dass die Entscheidung ein Gewinn war, weil die Beziehung enger wurde oder auch weil der Erkrankte gemeinsam mit seinem Partner wieder mehr unternehmen, z. B. auch wieder reisen konnte. Manchmal  hat der Empfänger Schuldgefühle, weil er denkt, dass jemand für ihn stirbt.

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