Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Psychotherapeutenkammer NRW hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche geführt, um der Gesundheitspolitik unsere Forderungen zu erläutern. Ein Ergebnis sind u.a. die beiden Interviews, die wir in diesem PTK-Newsletter abdrucken.
Die Reform der Bedarfsplanung wird eines der zentralen gesundheitspolitischen Themen der nächsten Monate sein. Aus psychotherapeutischer Sicht ist eine grundlegende Reform der Bedarfsplanung längst überfällig. Die Versorgung psychisch kranker Menschen ist in Westfalen-Lippe deutlich schlechter als in Nordrhein. Während in Nordrhein auf 100.000 Einwohner 29 Psychotherapeuten kommen, sind es in Westfalen-Lippe nur 20 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. In Nordrhein ist die Versorgung mit Psychotherapeuten also um knapp 50 Prozent besser als in Westfalen-Lippe.
Grund für diese unterschiedliche Versorgungsstruktur ist die bisherige Bedarfsplanung. Die Bedarfsplanung für Psychotherapeuten basiert auf einer inakzeptablen Datengrundlage. Deren Verhältniszahlen von Psychotherapeut je Einwohner beruhen auf Zulassungen bis zum 31. August 1999. Die Bedarfsplanung erklärte die damalige Zahl und Verteilung der Psychotherapeuten je Einwohner zum Versorgungsbedarf. Der Versorgungsbedarf wurde deshalb erheblich unterschätzt.
Die bisherigen Verhältniszahlen in der Bedarfsplanung diskriminieren den ländlichen Raum. Nach den derzeitigen Verhältniszahlen reicht in ländlichen Regionen ein Psychotherapeut für 23.106 Einwohner aus, während in Kernstädten ein Psychotherapeut für 2.577 Einwohner notwendig ist. Für diese enorme Spreizung der Verhältniszahlen existiert keine sachliche Begründung. Die Annahme, dass Menschen in der Stadt neunmal häufiger psychisch krank werden als auf dem Land, ist fachlich nicht zu begründen.
Psychisch kranke Menschen brauchen dringend eine bessere Versorgung. Dafür werden wir uns auch in den nächsten Monaten weiter einsetzen.
Ihre Monika Konitzer
Präsidentin
