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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

ADHS – Konzepte und Verträge für eine multimodale Versorgung



ADHS-Veranstaltung am 6. Oktober in Düsseldorf
ADHS-Veranstaltung am 6. Oktober in Düsseldorf

Kinder und Jugendliche, die an einem Aufmerksamkeitsdefizit und einer Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, sollen im Rheinland zukünftig sorgfältiger diagnostiziert und besser behandelt werden – das forderten die Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. auf einer gemeinsamen Veranstaltung am 6. Oktober in Düsseldorf. Dort wurde auch der neue ADHS-Versorgungsvertrag mit der AOK Rheinland/Hamburg vorgestellt, der insbesondere psychosoziale Interventionen zusätzlich honoriert, einen strengeren, leitliniengerechten Einsatz von Medikamenten vorschreibt und eine bessere Kooperation von Ärzten und Psychotherapeuten anstrebt (Details zum AOKVertrag: Interview mit AOK-Vorstand Cornelia Prüfer-Storcks, Seite 2). Das Interesse an der Veranstaltung war enorm: Insgesamt nahmen 241 Psychotherapeuten und Ärzte an der ausgebuchten Veranstaltung teil.

 

Nach einem Bericht des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit in Nordrhein-Westfalen (LIGA NRW) sind hyperkinetische Störungen (ADS/ADHS) in NRW die zweithäufigste ambulante Behandlungsdiagnose bei den psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2008 erkrankten daran fast 95.000 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre. Daraus ergibt sich eine Behandlungsrate von 3,7 Prozent, in der am stärksten erkrankten Altersgruppe der 5- bis 9-jährigen Kinder von 5,3 Prozent. Zwischen 2005 und 2008 stieg die Zahl der ambulanten Behandlungsdiagnosen um 46 Prozent. Rund 1,3 Prozent der ambulant behandelten Kinder werden wegen dieser Diagnose auch einmal in ein Krankenhaus aufgenommen. 2008 waren dies 1.237 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre.

 

Zu der Verordnung von Psychopharmaka und ADHS stellt der LIGA-Bericht fest: Die Verordnungshäufigkeit von Psychopharmaka hat in der Bundesrepublik in den vergangenen 15 Jahren stark zugenommen. Diese Zunahme wurde im Wesentlichen durch den Anstieg von Verordnungen von Methylphenidat zur ADHS-Behandlung verursacht. Die Diskussion über die Verordnungsmengen ist geprägt von der Frage, ob leichtfertig versucht wird, mit diesen Arzneimitteln eine Verbesserung der Auffälligkeiten von Heranwachsenden herzustellen, ohne dass eine ausreichende Diagnose vorliegt.

 

Die AOK Rheinland/Hamburg verzeichnet jährlich rund 12.000 Kinder und Jugendliche mit einer ADHS-Diagnose. Davon wird bei etwa 9.000 Kindern und Jugendlichen eine gesicherte Diagnose angegeben, bei etwa 3.000 ist die Diagnose nicht gesichert. Bei einem Drittel der ungesicherten Diagnosen wird dennoch nicht leitlinienkonform eine Arzneimitteltherapie vorgenommen, so die AOK Rheinland/Hamburg. ADHS-Kinder und -Jugendliche kosten die AOK jährlich über elf Millionen Euro: 55,5 Prozent stationär, 23,1 Prozent ambulant, 21,4 Prozent für Arzneimittel.

 

Die Leitlinien empfehlen eine multimodale ADHS-Therapie. Diese umfasst:

 

  • Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes oder Jugendlichen und der Erzieher bzw. Lehrer,
  • Elterntraining und Familientherapie,
  • Interventionen im Kindergarten oder in der Schule,
  • Psychotherapie des Kindes oder Jugendlichen,

 

Pharmakotherapie unter sorgfältiger Abwägung des Nutzens und der Risiken, bei Kindern unter sechs Jahren grundsätzlich erst dann, wenn andere Interventionen ohne Erfolg geblieben sind.

 

 

Was ADHS-Kinder auch sind

ADHS-Kinder fallen meist aufgrund ihrer negativen Eigenschaften auf. Viele Kinder mit ADHS sind aber auch charmant, ideenreich, aufgeschlossen, fröhlich, hilfsbereit, lustig, kreativ, fürsorglich, aufgeweckt, phantasievoll, flexibel, tierlieb, empfindsam, interessiert, gutmütig, ehrlich und großherzig.

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