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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

Depression – Die Versorgung im ambulanten Bereich



Depressive Störungen sind die häufigste psychische Erkrankung in der ambulanten Versorgung. Nach Daten der GEK aus der ambulanten Versorgung erkranken ca. neun Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres depressiv (F32, F33). Auch epidemiologische Studien beziffern für Deutschland den Anteil von Patienten mit der Depressionsdiagnose (Major Depression) innerhalb eines Jahres auf 8,3 Prozent (Jacobi et al. 2004). Dabei zeigen Studien, dass schwer depressive Patienten kaum häufiger zum Psychotherapeuten oder Psychiater gehen als leicht depressive.

 

Nach den Daten des Bundesgesundheitssurveys nehmen 18 Prozent der erwachsenen Patienten mit einer depressiven Störung einen Psychiater oder Nervenarzt in Anspruch und elf Prozent einen Psychotherapeuten. Dagegen erhöht sich die Inanspruchnahme professioneller Hilfe bei Patienten, die an einer „Double Depression“ erkrankt sind auf 31 bzw. 18 Prozent. Eine Double Depression ist eine Major Depression, die sich während einer Dysthymie entwickelt hat. Dysthymie ist eine etwas weniger stark ausgeprägte, aber chronische Variante der Depression, die mindestens zwei Jahre lang dauert.

 

 

Zu wenig Psychotherapie

Nur sechs Prozent der depressiven Patienten erhalten nach GEK-Analysen eine Psychotherapie (Männer: 6,2 Prozent, Frauen: 6,4 Prozent). Dieser Anteil erhöht sich bei Patienten im mittleren Alter (18 bis 50 Jahre) auf durchschnittlich zehn Prozent. Dramatisch schlecht versorgt sind ältere Menschen. Weniger als zwei Prozent der über 60jährigen mit einer depressiven Erkrankung erhalten noch eine Psychotherapie. Mit dem Alter nimmt die Behandlungsrate immer weiter ab und dies, obwohl ältere Menschen deutlich häufiger depressiv erkranken als jüngere.

 

Die mangelhafte Versorgung von depressiven Patienten mit Psychotherapie entspricht nicht dem aktuellen Behandlungsstandard. Die Nationale Versorgungsleitlinie für Depression empfiehlt für akute leichte depressive Störungen Psychotherapie, bei mittelgradigen depressiven Störungen Psychotherapie oder Pharmakotherapie. Dabei sind in der Akutbehandlung beide als gleichwertige Behandlungsalternativen zu betrachten. Bei schweren depressiven Störungen, Dysthymie oder chronischer Depression wird eine Kombinationsbehandlung aus Psychotherapie und Pharmakotherapie empfohlen (siehe Artikel "NVL Leitlinie Depression - zentrale Empfehlungen).

 

 

Nicht leitliniengerecht
Aktuelle Versorgungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns belegen ein erhebliches Maß an Unter- und Fehlversorgung in der Behandlung depressiver Störungen. Fast jeder dritte Patient wird gar nicht behandelt. Findet eine Behandlung statt, dann spielen der Schweregrad und die Chronizität der Erkrankung kaum eine Rolle (Abbildung 1). Bei leichten Störungen kommen viel zu häufig Psychopharmaka zum Einsatz. Nur fünf Prozent der schwer depressiven Patienten erhalten eine fachgerechte Kombinationstherapie aus Psycho- und Pharmakotherapie. Lediglich bei Patienten mit einer Double Depression ist eine deutlich höhere Rate an Kombinationsbehandlungen erkennbar, so wie es die Leitlinie empfiehlt.

 

 

 


Abbildung 1: Leistungen bei Depressionen/Störungen nach Schweregrad und Chronizität

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, 2007
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