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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

Depressionen immer noch Tabu – Birgit Fischer



Birgit Fischer
Birgit Fischer

Frau Fischer, wie häufig sind depressive Störungen bei BARMER GEK Versicherten?

Depressionen machen einen wesentlichen Teil der psychischen Erkrankungen aus. Bei knapp 600.000 Versicherten der BARMER GEK wurden Depressionen bzw. depressive Störungen diagnostiziert, die mindestens ein halbes Jahr angehalten haben. Innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherungen sind über vier Millionen Versicherte betroffen. Die Zahl der psychisch erkrankten Arbeitnehmer erhöhte sich bei der BARMER zwischen 2003 und 2008 um 50 Prozent, ihr Anteil an den Fehlzeiten am Arbeitsplatz ist von elf auf 17 Prozent gestiegen. Damit sind psychische Erkrankungen mittlerweile auf Platz 2 der arbeitsbedingten Erkrankungen vorgerückt.

 

Welche Versorgungsdefizite sehen Sie?

Trotz steigender Medienpräsenz sind Depressionen immer noch Tabuthema. Es fehlen verständliche und evidenzbasierte Patienteninformationen, die eine partizipative Entscheidungsfindung unterstützen. Auch die Zusammenarbeit von Hausärzten, Fachärzten und Kliniken ist verbesserungsfähig. Gerade bei der Behandlung von Depressionen müssen Hausärzte ihrer Lotsenfunktion gerecht werden und die Kooperation mit der Facharztebene, dem stationären Sektor und weiteren Leistungserbringern wie den Psychotherapeuten forcieren. Weitere Herausforderungen sind das West-Ost- und Stadt-Land-Gefälle der Psychotherapeutenversorgung. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist mit längeren Wartezeiten auf Therapieplätze zu rechnen.

 

Was planen Sie, um die Versorgung Ihrer Versicherten zu verbessern?

Generell wollen wir den Krankheits- und Behandlungsverlauf durch abgestimmte Diagnose- und Behandlungsprozesse verbessern. Unser Ziel ist klar: Der Patient muss sensibel angesprochen und sektorenübergreifend begleitet werden. Dabei suchen wir die intensive Zusammenarbeit mit den Leistungserbringern. Ein weiterer Schwerpunkt ist die intensive Aufklärung und Information unserer Versicherten und ihrer Angehörigen.

 

Bietet die NVL Depression dafür eine Orientierung?

Ein sektorenübergreifendes, ambulantstationäres Behandlungskonzept für depressive Erkrankungen muss wissenschaftlich fundiert und versorgungssystemspezifisch abgestimmt sein. Hier stellt die NVL für alle Akteure eine solide Basis dar. Für die BARMER GEK ist sie eine unabdingbare Grundlage zur Vereinbarung von Selektivverträgen.

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