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Psychotherapeuten
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Kammer für Psychologische
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Nordrhein-Westfalen

Zahlen & Fakten: Depression



Jedes Jahr erkranken ein bis zwei Prozent der Deutschen erstmals an einer Depression.

Insgesamt sind in einem Jahr durchschnittlich 8,3 Prozent der Bevölkerung depressiv krank. Das sind ca. vier Millionen Menschen. Hinzu kommen Dysthymien (4,4 Prozent), eine etwas weniger stark ausgeprägte, aber chronische Variante der Depression, die mindestens zwei Jahre lang dauert. Eher selten sind Depressionen im Rahmen bipolarer Störungen (0,8 Prozent), bei denen auch manische Phasen mit Symptomen von übermäßigem Aktivitätsdrang oder unangemessen euphorischer oder gereizter Stimmung auftreten. Insgesamt leidet mehr als jeder achte Deutsche pro Jahr an einer affektiven Erkrankung. Das Risiko, einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, beträgt in Deutschland, in den USA und in Europa 16 bis 20 Prozent.

 

Depressionen treten meist wiederholt und in Phasen auf; Experten sprechen von „depressiven Episoden“.

Unbehandelt dauert eine depressive Episode durchschnittlich ca. sechs bis acht Monate. Über die Hälfte der Patienten entwickeln nach einer ersten depressiven Episode später eine weitere. Nach zwei Episoden erhöht sich das Rückfallrisiko auf 70 Prozent, nach drei Episoden auf 90 Prozent.

 

Depressionen treten in jedem Lebensalter auf.

Nach neueren Erkenntnissen ist ein beträchtlicher Teil der Menschen bereits in der Kindheit oder Adoleszenz erkrankt. Frauen erkranken doppelt so häufig an einer Depression wie Männer. Dabei leiden deutlich mehr Frauen an Dysthymien. Bei bipolaren Erkrankungen ist das Geschlechterverhältnis ungefähr 1:1. Getrennt lebende, geschiedene und verwitwete Menschen erkranken ebenfalls doppelt so häufig an einer Depression wie verheiratete, ebenso Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status.

 

Über 60 Prozent der depressiv erkrankten Menschen leiden noch an einer weiteren psychischen Erkrankung.

Besonders häufig sind Angst- oder Suchterkrankungen. Chronische somatische Erkrankungen können Depressionen auslösen, Depressionen können aber auch körperliche Erkrankungen nach sich ziehen. Depressionen treten häufig auf bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Migräne, Asthma, Allergien, Magengeschwüren, Diabetes mellitus, Infektionserkrankungen sowie hirnorganischen oder neurologischen Erkrankungen. Menschen, die nach einem Herzinfarkt an einer Depression erkranken, haben ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko.

 

Die Suizidrate ist bei depressiv erkrankten Menschen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich erhöht.

Während die Suizidrate in der Durchschnittsbevölkerung unter 0,5 Prozent liegt, sterben durch Suizid 2,2 Prozent der depressiven Patienten, die ambulant, und vier Prozent, die stationär behandelt wurden. Fast jeder zwölfte depressive Patient, der aufgrund von Suizidversuchen oder -gedanken in stationärer Behandlung war, stirbt durch Suizid.

 

Depressionen gehören zu den vier Krankheiten, die die Lebensqualität am stärksten beeinträchtigen.

Depressionen sind nicht nur mit erheblichem Leid für den Betroffenen, sondern auch mit Einschränkungen der beruflichen Funktionsfähigkeit verbunden. Sie verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten, weil sie behandelt werden müssen (direkte Kosten), aber auch, weil sie zu Arbeitsunfähigkeit (Lohnfortzahlung und Krankengeld) und Frühberentungen (indirekte Kosten) führen. Im Jahr 2008 gingen 12,7 Prozent aller Rentenzugänge aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit oder Erwerbsunfähigkeit auf affektive Erkrankungen zurück. Sie sind damit die häufigste Erkrankungsgruppe bei Erwerbsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsrenten.

 

Depressionen sind die häufigste psychische Ursache von Krankschreibungen.

Etwa vier Prozent aller Fehltage gingen 2008 auf Depressionen zurück. Die durchschnittliche Länge einer Krankschreibung aufgrund einer Depression dauerte zwischen 35 und 50 Tagen. Psychische Erkrankungen traten häufiger bei Angestellten im Dienstleistungssektor auf als bei Arbeitern im Bausektor oder aus der Land und Forstwirtschaft.

 

Über die Hälfte der depressiven Patienten im ambulanten Bereich (53 Prozent) befinden sich ausschließlich in hausärztlicher Behandlung.

Sie erhalten entweder keine spezifische Behandlung oder eine ausschließlich medikamentöse Behandlung. Sieben Prozent waren in ausschließlich psychotherapeutischer Behandlung, vier Prozent in hausärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung. Von den Patienten mit einer schweren depressiven Episode erhielten nur fünf Prozent eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie, wie sie in der Nationalen Versorgungsleitlinie empfohlen wird.

 

In der primärärztlichen Versorgung wird nur in etwa die Hälfte der Menschen mit einer Depression erkannt und diagnostisch korrekt zugeordnet.

Mit steigendem Schweregrad der Depression nimmt die Erkennensrate zu. Bis zu 80 Prozent der schweren Depressionen werden korrekt identifiziert.

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