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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

Digitalisierung



Die Digitalisierung wird uns die nächsten Jahre zunehmend beschäftigen. Sie kommt dabei mit einer hohen fachlichen Komplexität auf uns zu. Noch erscheint vieles sperrig; die möglichen Auswirkungen auf den psychotherapeutischen Alltag sind nicht leicht zu fassen. Dennoch darf sich unsere Profession diesem Zukunftsthema nicht verschließen.

 

Mit der Digitalisierung einhergehende zentrale Themen für unseren Berufsstand sind der Datenschutz und die Vertraulichkeit als Basis unseres therapeutischen Angebotes. Ebenso müssen wir uns damit befassen, ob und wie wir neue Angebote in der Psychotherapie nutzen. Einige internet- oder mobilbasierte Anwendungen können sinnvolle Möglichkeiten zur Ergänzung der klassischen Psychotherapie bereitstellen. Generell müssen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei der Nutzung internetbasierter Interventionen in der Psychotherapie ebenso wie bei psychotherapeutischen Behandlungen über Videotelefonate jedoch besondere Sorgfaltspflichten beachten.


Digitale-Versorgung-Gesetz

All diese Themen stehen in engem Zusammenhang mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation, DVG), das am 7. November 2019 durch den Bundestag beschlossen wurde. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums soll es unter anderem dazu dienen, digitale Gesundheitsanwendungen zügig in die Versorgung zu bringen und die Anwendung von Telemedizin zu stärken. Die Psychotherapeutenkammer NRW (PTK NRW) setzt sich dafür ein, dass mit dem DVG digitale Neuerungen im Interesse von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und von Patientinnen und Patienten umgesetzt werden. Über die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen der Digitalisierung wird die PTK NRW informieren.


Ansprechpartner für Fragen rund um die Telematikinfrastruktur (TI) sind vor allem die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein (KVNo) [externer Link] und Westfalen-Lippe (KVWL) [externer Link] sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) [externer Link]. Praxisnahe Informationen bietet beispielsweise die Broschüre "PraxisWissen Telematikinfrastruktur" [PDF-Dokument, 836 KB] der KBV. Die Publikation gibt einen Überblick über die notwendige technische Ausstattung und die Finanzierung und enthält Tipps zur Umsetzung, kurze Checklisten sowie Hinweise, wie Praxen sich auf den Einstieg in die TI vorbereiten können.


Telematikinfrastruktur

Der Austausch sensibler medizinischer Daten im Gesundheitswesen kann nicht einfach weitgehend ungeschützt über das Internet erfolgen. Für die elektronische Kommunikation zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen muss vielmehr ein sicherer Rahmen vorhanden sein. Die Telematikinfrastruktur (TI) stellt dieses sichere Gerüst für digitale Anwendungen im Gesundheitswesen dar und wird häufig auch als Datenautobahn für das Gesundheitswesen bezeichnet. Mit ihrer Hilfe sollen die Beteiligten des Gesundheitswesens, beispielsweise Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Ärztinnen und Ärzte, Kliniken und Apotheken miteinander vernetzt werden, um schneller und einfacher miteinander kommunizieren und für die Behandlung von Patientinnen und Patienten benötigte medizinische Informationen sicher austauschen zu können.

Die TI soll künftig verschiedenste Anwendungen bieten. Eine für kassenzugelassene Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten, Ärztinnen und Ärzte verpflichtende Anwendung ist das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Weitere (geplante) Anwendungen sind der elektronische Arztbrief, der elektronische Notfalldatensatz, der elektronische Medikationsplan und die elektronische Patientenakte.

 

TI: Fristen und Kosten

Mit dem E-Health-Gesetz hat der Gesetzgeber unter anderem festgelegt, dass alle kassenzugelassenen Praxen bis zu einem bestimmten Termin an die TI angeschlossen sein müssen und als erste Anwendung das VSDM durchzuführen ist. Die Frist für den TI-Anschluss endete am 30. Juni 2019. Seit dem 1. Juli 2019 müssen Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten, Ärztinnen und Ärzte jeweils bei dem ersten Kontakt mit einer Patientin oder einem Patienten im Quartal das VSDM durchführen. Erfolgt dies nicht, sind die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, das Honorar um ein Prozent zu kürzen.

Die Kosten für die Ausstattung der Praxen mit den für die Anbindung an die TI notwendigen Komponenten (Hard- und Software) werden erstattet. Bis zum Ende des Jahres 2019 bleibt die Konnektorpauschale stabil. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein (KVNo) [externer Link] und Westfalen-Lippe (KVWL) [externer Link] oder der KBV [externer Link].


Praxisausweis und elektronischer Psychotherapeutenausweis (ePtA)

Die TI ist ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer (Personen und Institutionen) mit einem elektronischen Ausweis (Praxisausweis) Zugang erhalten. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Ärztinnen und Ärzte benötigen daher einen Praxisausweis (SMC-B) zur Registrierung und Anmeldung. Für Patientinnen und Patienten ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Schlüssel zu ihren medizinischen Daten in der TI. Informationen zur Beantragung des Praxisausweises erhalten Sie bei Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) [externer Link] oder Westfalen-Lippe (KVWL) [externer Link].

Der elektronische Psychotherapeutenausweis (ePtA) oder elektronische Heilberufsausweis (eHBA) weist die Inhaberin oder den Inhaber als der Berufsgruppe der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zugehörig aus. Er ermöglicht die persönliche Identifizierung im elektronischen Netz und die Erstellung einer rechtssicheren elektronischen Unterschrift, der qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Für die verpflichtende TI-Anwendung „Versichertenstammdatenmanagement“ ist kein ePtA/eHBA notwendig; er wird jedoch für kommende Anwendungen der TI benötigt.

Der ePtA/eHBA wird zukünftig von der Psychotherapeutenkammer ausgestellt. Aktuell ist eine Beantragung des ePtA/eHBA noch nicht möglich. Die PTK NRW wird ihre Mitglieder rechtzeitig darüber informieren, wann die elektronischen Psychotherapeutenausweise ausgegeben werden können.


Internet und Apps in der Psychotherapie

Internetprogramme und Apps zur Prävention oder als einzelne Behandlungselemente können die psychotherapeutische Versorgung ergänzen und psychotherapeutische Behandlungen gegebenenfalls intensivieren. Gesundheits-Apps können beispielsweise auch genutzt werden, um Rückfällen vorzubeugen (Rezidivprophylaxe) oder die Erfahrung der Selbstwirksamkeit im Alltag zu stärken. Dabei müssen alle digitalen Anwendungen nach einer Resolution des 32. Deutschen Psychotherapeutentages über die höchstmöglichen Standards der Datensicherheit verfügen und sollen in der Regelversorgung nur nach Indikationsstellung durch approbierte Behandlerinnen und Behandler angeboten werden.

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat einen "Leitfaden für Internetprogramme im Praxisalltag" [PDF-Dokument, 124 KB] herausgegeben. Er soll Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei der Entscheidung unterstützen, ob und wie sie Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen nutzen können. Darüber hinaus weist der Leitfaden auf die spezifischen Sorgfaltspflichten der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in diesem Zusammenhang hin. Was grundsätzlich bei dem Einsatz von Apps durch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu beachten ist, erläutert die BPtK in ihrem Standpunkt "Gesundheits-Apps nutzen, ohne Patienten zu gefährden. Zur Digitalisierung in der Psychotherapie" [PDF-Dokument, 460 KB].


Fernbehandlung im Rahmen einer Psychotherapie

Eine Fernbehandlung im Rahmen der Psychotherapie kann bei großer Entfernung zwischen Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut sinnvoll sein und beispielsweise nach einem Umzug oder im Rahmen eines vorübergehenden Auslandaufenthaltes einen Therapeutenwechsel oder einen Abbruch der Therapie verhindern helfen. Eine Fernbehandlung kann auch Menschen zugutekommen, die aufgrund körperlicher Erkrankungen Schwierigkeiten haben, regelmäßig eine Praxis aufzusuchen.

Mit dem Inkrafttreten des Pflegepersonalstärkungsgesetz am 1. Januar 2019 wurden Videobehandlungen auch in der psychotherapeutischen Versorgung möglich; im Frühjahr 2019 erfolgte die entsprechende Anpassung der Psychotherapie-Vereinbarung. Danach können Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine Kurz- oder Langzeitbehandlung sowie die Rezidivprophylaxe per Videotelefonat durchführen. Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung setzen allerdings unmittelbaren Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten voraus. Psychotherapeutische Sprechstunden, Probatorik, Gruppenpsychotherapie, Hypnose und Akutbehandlung sind gemäß der Psychotherapie-Vereinbarung von der Videobehandlung ausgeschlossen.


Behandlung per Video: Vergütung und Voraussetzungen

Zum 1. Oktober 2019 haben KBV und Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) die für die Vergütung von psychotherapeutischen Behandlungen per Videotelefonat erforderlichen Anpassungen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) vorgenommen. Das Bundesgesundheitsministerium hat zwei Monate Zeit, den Beschluss zu prüfen. Die neuen EBM-Ziffern sind allerdings bereits seit dem 1. Oktober 2019 abrechenbar.

In der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte sind die technischen und fachlichen Voraussetzungen zur Durchführung der Behandlung per Video geregelt. Darin wird u. a. festgelegt, dass von der Patientin oder dem Patienten eine schriftliche Einwilligung für die Videobehandlung einzuholen ist, der Verlauf der Behandlung vertraulich und störungsfrei sein muss und ausschließlich zertifizierte Videodienstanbieter eingesetzt werden dürfen, wobei die gesamte Übertragung Ende-zu-Ende zu verschlüsseln ist. Informationen aus Anlage 31 b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte, zu zertifizierten Videodienstanbietern und zur Vergütung von Videobehandlungen finden sich auf der Internetseite der KBV [externer Link].


Datenschutz und Datensicherheit

Die Themen Datenschutz und Vertraulichkeit als Basis des therapeutischen Angebotes von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nehmen im Rahmen der Digitalisierung eine zentrale Stellung ein. Auch der 32. Deutsche Psychotherapeutentag hat in seiner Resolution nochmals darauf hingewiesen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Patientin oder Patient und Behandlerin oder Behandler vor dem Zugriff unberechtigter Dritter auf Patientendaten geschützt werden muss.

Die BPtK hat vor dem Hintergrund der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft getreten ist, zu den Themen Datenschutz und Schweigeflicht eine Praxis-Info "Datenschutz 2018" [PDF-Dokument, 138 KB] veröffentlicht. Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber können sich darin grundlegend über ihre Pflichten hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit informieren.

Bei weitergehenden Fragen bietet die PTK NRW ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich im Rahmen der berufsrechtlichen Sprechstunde juristisch beraten zu lassen. Die aktuellen Termine finden Sie auf unserer Homepage in der Rubrik "Mitglieder" unter Beratung.

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