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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

Digitalisierung



Die Digitalisierung wird uns die nächsten Jahre zunehmend beschäftigen. Sie kommt dabei mit einer hohen fachlichen Komplexität auf uns zu. Noch erscheint vieles sperrig; die möglichen Auswirkungen auf den psychotherapeutischen Alltag sind nicht leicht zu fassen. Dennoch darf sich unsere Profession diesem Zukunftsthema nicht verschließen.

 

Zwei mit der Digitalisierung einhergehende zentrale Themen für unseren Berufsstand sind der Datenschutz und die Vertraulichkeit als Basis unseres therapeutischen Angebotes. Ebenso müssen wir uns damit befassen, ob und wie wir neue Angebote in der Psychotherapie nutzen. Einige internet- oder mobilbasierte Anwendungen können sinnvolle Möglichkeiten zur Ergänzung der klassischen Psychotherapie bereitstellen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese Anwendungen jedoch schnell abgebrochen werden, wenn sie ohne persönliche Behandlungskontakte erfolgen.

 

Ein Thema, was gerade Fahrt aufnimmt, ist die Möglichkeit für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, auch Videobehandlungen anbieten zu können. Hier sind die besonderen Sorgfaltspflichten, die bei der Nutzung internetbasierter Interventionen in der Psychotherapie generell zu beachten sind, ein wesentliches Thema.

 

Die PTK NRW wird über die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen der Digitalisierung informieren. Für Fragen rund um die Telematikinfrastruktur sind v.a. die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein (KVNO) [externer Link] und Westfalen-Lippe (KVWL) [externer Link] sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) [externer Link] Ansprechpartner. Praxisnahe Informationen zur Telematikinfrastruktur finden Sie beispielsweise in der Broschüre „PraxisWissen Telematikinfrastruktur“ der KBV. Diese bietet einen guten Überblick über die notwendige technische Ausstattung und Finanzierung und enthält darüber hinaus Tipps zur Umsetzung, kurze Checklisten und Hinweise, wie Praxen sich auf den Einstieg in die TI vorbereiten können.

 

» Broschüre „PraxisWissen Telematikinfrastruktur“ der KBV [PDF-Dokument, 833 KB]

 

 

Telematikinfrastruktur und elektronischer Psychotherapeutenausweis

Telematikinfrastruktur (TI)

Der Austausch sensibler medizinischer Daten im Gesundheitswesen kann nicht einfach weitgehend ungeschützt über das Internet erfolgen. Für die elektronische Kommunikation zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen muss vielmehr ein sicherer Rahmen vorhanden sein. Die Telematikinfrastruktur (TI) stellt dieses sichere Gerüst für digitale Anwendungen im Gesundheitswesen dar und wird häufig auch als Datenautobahn für das Gesundheitswesen bezeichnet. Mit Hilfe der TI sollen die Beteiligten des Gesundheitswesens wie beispielsweise Psychotherapeuten, Ärzte, Kliniken, Apotheken etc. miteinander vernetzt werden, sodass diese schneller und einfacher miteinander kommunizieren sowie medizinische Informationen, die für die Behandlung der Patienten benötigt werden, sicher austauschen können.

Die TI soll künftig verschiedenste Anwendungen bieten. Eine für kassenzugelassene Psychotherapeuten und Ärzte verpflichtende Anwendung ist das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM). Weitere (geplante) Anwendungen sind der elektronische Arztbrief, der elektronische Notfalldatensatz, der elektronische Medikationsplan und die elektronische Patientenakte.

 

Der Gesetzgeber hat mit dem E-Health-Gesetz u. a. festgelegt, dass alle kassenzugelassenen Praxen bis zu einem bestimmten Termin an die TI angeschlossen sein müssen und als erste Anwendung das VSDM durchzuführen ist. Die Frist für den TI-Anschluss endete am 30. Juni 2019. Seit dem 1. Juli 2019 besteht die gesetzliche Verpflichtung, bei jedem ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal das VSDM durchzuführen. Erfolgt dies nicht, sind die Kassenärztlichen Vereinigungen zur Kürzung des Honorars um ein Prozent verpflichtet.

 

Die Kosten für die Ausstattung der Praxen mit den für die Anbindung an die TI notwendigen Komponenten (Hard- und Software) werden erstattet. Bis zum Ende des Jahres 2019 bleibt die Konnektorpauschale stabil. Aktuelle Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung oder auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

 

Die Telematikinfrastruktur ist ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer (Personen und Institutionen) mit einem elektronischen Ausweis (Praxisausweis) Zugang erhalten. Psychotherapeuten und Ärzte benötigen also einen Praxisausweis (SMC-B) zur Registrierung und Anmeldung. Für die Patienten ist die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Schlüssel zu ihren medizinischen Daten in der TI. Informationen zur Beantragung des Praxisausweises erhalten Sie bei Ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung.

 

Elektronischer Psychotherapeutenausweis (ePtA)

Der elektronische Psychotherapeutenausweis (ePtA) oder elektronische Heilberufsausweis (eHBA) weist die Inhaberin/den Inhaber als der Berufsgruppe der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zugehörig aus. Er ermöglicht die persönliche Identifizierung im elektronischen Netz und die Erstellung einer rechtssicheren elektronischen Unterschrift, der qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Für die verpflichtende TI-Anwendung „Versichertenstammdatenmanagement“ ist kein ePtA/eHBA notwendig, er wird aber für kommende Anwendungen der TI benötigt.

 

Der ePtA/eHBA wird zukünftig von der Psychotherapeutenkammer ausgestellt. Aktuell ist eine Beantragung des ePtA/eHBA noch nicht möglich. Die PTK NRW wird ihre Mitglieder rechtzeitig darüber informieren, wann die elektronischen Psychotherapeutenausweise ausgegeben werden können.

 

 

Internet in der Psychotherapie

Internetprogramme oder Apps zur Prävention oder als einzelne Behandlungselemente wie beispielsweise mobilbasierte Stimmungstagebücher können die psychotherapeutische Versorgung ergänzen. Dabei müssen alle digitalen Anwendungen nach einer Resolution des 32. Deutschen Psychotherapeutentages über die höchstmöglichen Standards der Datensicherheit verfügen und sollen in der Regelversorgung nur nach Indikationsstellung durch approbierte Behandler durchgeführt werden.

 

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat für die Nutzung von Internetprogrammen und elektronischen Medien im Praxisalltag 2017 einen Leitfaden erstellt. Er soll Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei einer Entscheidung unterstützen, ob und wie sie Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen nutzen können. Der Leitfaden weist außerdem auf die spezifischen Sorgfaltspflichten der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in diesem Zusammenhang hin.

 

» BPtK-Leitfaden für Internetprogramme im Praxisalltag [PDF-Dokument, 124 KB]

 

Fernbehandlung im Rahmen einer Psychotherapie

Eine Fernbehandlung im Rahmen der Psychotherapie kann bei großer Entfernung zwischen Patientinnen/Patienten und Therapeutinnen/Therapeuten sinnvoll sein und beispielsweise nach einem Umzug des Patienten oder im Rahmen eines vorübergehenden Auslandaufenthaltes einen Therapeutenwechsel oder einen Abbruch der Therapie verhindern helfen. Eine Fernbehandlung kann auch Menschen zu Gute kommen, die aufgrund körperlicher Erkrankungen Schwierigkeiten haben, regelmäßig eine Praxis aufzusuchen.

 

In Zukunft kann eine Fernbehandlung im Rahmen einer Psychotherapie unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten grundsätzlich ergänzend eingesetzt werden. Durch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz wird eine Behandlung über Video nicht nur Ärztinnen und Ärzten sondern auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ermöglicht. Der Bewertungsausschuss wurde beauftragt, bis zum 1. April 2019 die Regelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) für die Videosprechstunden zu erarbeiten.

 

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag hatte in diesem Zusammenhang eine Änderung der Musterberufsordnung  beschlossen, um eine Fernbehandlung in der psychotherapeutischen Versorgung zu ermöglichen. Dies ist jedoch nur unter Beachtung der Sorgfaltspflichten möglich. Die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung setzt immer den persönlichen Kontakt und die Anwesenheit des Patienten voraus.

 

 

Datenschutz und Datensicherheit

Das Thema Datenschutz und die Vertraulichkeit als Basis des therapeutischen Angebotes von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nimmt im Rahmen der Digitalisierung eine zentrale Stellung ein. Auch der 32. Deutsche Psychotherapeutentag hat in seiner Resolution u.a. nochmal darauf hingewiesen, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Behandler vor dem Zugriff unberechtigter Dritter auf Patientendaten geschützt werden muss.

 

Die BPtK hat vor dem Hintergrund der EU-Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft getreten ist, eine Praxis-Info zu den Themen Datenschutz und Schweigeflicht veröffentlicht. In dieser Broschüre wird grundlegend über die Pflichten für Praxisinhaber hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit informiert.

 

Bei weitergehenden Fragen bietet die Psychotherapeutenkammer NRW ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich im Rahmen der berufsrechtlichen Sprechstunde durch einen Juristen beraten zu lassen. Die aktuellen Termine finden Sie auf unsere Homepage unter der Rubrik „Mitglieder“ „Beratung“.

 

» BPtK Praxisinfo „Datenschutz 2018 “ [PDF-Dokument, 136 KB]

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