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Psychotherapeuten
Kammer NRW


Kammer für Psychologische
Psychotherapeuten
und Kinder- und Jugendlichen-
psychotherapeuten
Nordrhein-Westfalen

Depression – Die Versorgung im stationären Bereich



Menschen mit depressiven Erkrankungen können sich ambulant in einer Praxis oder stationär in einem Krankenhaus behandeln lassen. In Deutschland stehen für erwachsene Patienten rund 70.000 stationäre Behandlungsplätze zur Verfügung in:

 

  • Krankenhäusern für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Krankenhäusern für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
  • Fachabteilungen an Allgemeinkrankenhäusern mit dieser Bezeichnung sowie
  • Psychosomatischen Rehabilitationskliniken.

 

Die meisten stationären Behandlungsplätze finden sich in der Psychiatrie. Sie verfügte im Jahr 2008 über rund 53.000 Betten. Die Zahl der Behandlungsplätze in der psychosomatischen Medizin war wesentlich geringer. Sie verfügte nur über gut 6.000 Betten. Außerdem existieren in Deutschland etwa 12.500 Betten in der psychosomatischen Rehabilitation.

 

Alle stationären Einrichtungen arbeiten mit multimodalen Behandlungskonzepten, zu denen Psychotherapie, Soziotherapie, Ergotherapie, Kunst- und Gestaltungstherapie, Physiotherapie, Sport-/Bewegungstherapie sowie Pharmakotherapie gehören können. Einige Krankenhäuser haben auch depressionsspezifische psychotherapeutische Behandlungsprogramme, die entweder auf speziellen Stationen oder stationsübergreifend angeboten werden. Bei der stationären Behandlung arbeiten verschiedene Berufsgruppen, insbesondere Ärzte, Psychotherapeuten, Psychologen, Spezialtherapeuten (z. B. Ergotherapeuten) und das Pflegepersonal, eng in einem Team zusammen.

 

Während der Schwerpunkt der Behandlung in der Psychiatrie meist auf der Pharmakotherapie liegt, bietet die Psychosomatik insbesondere psychotherapeutische Behandlungsangebote. Deshalb empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie die Behandlung in einer psychotherapeutisch-psychosomatischen Klinik, wenn stationär vorrangig eine Psychotherapie erfolgen soll.

 

Rund vier Prozent der Menschen mit der Diagnose einer Depression wurden im Jahr 2008 stationär behandelt. Sieben von acht depressiv erkrankten Patienten erhielten ihre Behandlung in der Psychiatrie (87 Prozent). Dort dauerte die durchschnittliche Behandlung fast fünf Wochen (34,3 Tage). In der Psychosomatik waren es mehr als sechs Wochen (43,1 Tage). Die Ursachen für die unterschiedlichen Behandlungszeiten sind unklar. Mögliche Faktoren, die einen Einfluss haben könnten, sind die abweichenden Behandlungskonzepte, aber auch unterschiedliche Patientenmerkmale. So berichten psychiatrische Kliniken mit Aufnahmeverpflichtung oft über eine Konzentration von chronisch kranken Menschen.

 

Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Menschen mit schweren Depressionen häufiger in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden. Im Jahr 2008 erhielten fast drei Viertel (72 Prozent) der depressiven Patienten, die in der Psychiatrie behandelt wurden, die Diagnose einer schweren Depression, in psychosomatischen Einrichtungen hingegen nur etwa die Hälfte (45 Prozent).

 

Die Datengrundlage über Ausmaß und Umfang von psychotherapeutischen sowie anderen Behandlungsmaßnahmen in der stationären Versorgung ist zurzeit noch sehr begrenzt. Es gibt aktuell – weder für Patienten noch für Kostenträger – Transparenz über die Versorgung in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Die psychosomatischen Rehabilitationskliniken sind hiervon ausgenommen, da diese in das Qualitätssicherungsprogramm der Deutschen Rentenversicherung eingebunden sind. Aussagen dazu, inwieweit sich die Krankenhausbehandlung depressiver Störungen an den Empfehlungen der Nationalen Versorgungsleitlinie orientiert, sind deshalb letztlich nicht möglich. Dies wären aber wichtige Informationen für Patienten, die sich im Krankheitsfall entscheiden müssen, in welchem Krankenhaus sie sich behandeln lassen. Mit der Einführung eines neuen pauschalierenden Entgeltsystems in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen und der damit verbundenen Einführung einer Leistungsdokumentation besteht jedoch die Chance, diese Informationen in Zukunft – beispielsweise in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser – sichtbar zu machen.

 

 

Abbildung 2: Anteile (in Prozent) der unterschiedlichen Depressionsdiagnosen in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen (N= 175 196)

Abbildung 2
Quelle: Statistisches Bundesamt, Krankenhausstatistik für das Jahr 2008
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