Rückblick auf die Regionalversammlung für den Regierungsbezirk Münster am 24. Juni 2026

v.l.n.r.: Andreas Pichler, Oliver Kunz, Mirka Münzebrock-Child, Julia Leithäuser, Bettina Meisel, Elisabeth Dallüge

Mehr als 70 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind am 24. Juni 2026 der Einladung der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen zur Regionalversammlung im Atlantic Hotel Münster gefolgt. Präsident Andreas Pichler  begrüßte die Teilnehmenden und eröffnete den Abend. Mit Blick auf die zahlreichen gesundheitspolitischen Veränderungen hob er hervor, wie wichtig der persönliche Austausch und die gemeinsame Diskussion innerhalb der Profession sind. Die Regionalversammlung bot dafür den passenden Rahmen: Im Mittelpunkt standen die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen, die Situation angestellter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die Umsetzung der neuen Weiterbildungsordnung sowie Möglichkeiten, sich aktiv in die Kammerarbeit einzubringen.

Aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen

Die gesundheitspolitischen Weichenstellungen der vergangenen Monate verändern die psychotherapeutische Versorgung spürbar. Gemeinsam ordneten Vizepräsidentin Julia Leithäuser und Vorstandsmitglied Bettina Meisel die aktuelle gesundheitspolitische Lage ein und spannten den Bogen von der geplanten Primärversorgung über die Honorarkürzung um 4,5 Prozent bis hin zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.

Besonderes Augenmerk richtete Bettina Meisel  auf die geplanten Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Sie machte deutlich, dass die vorgesehene Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen nicht nur die ambulante psychotherapeutische Versorgung beeinträchtigen, sondern auch den Aufbau der psychotherapeutischen Weiterbildung erschweren könne. Auch bei der Kinder- und Jugendhilfe sah sie widersprüchliche Entwicklungen: Einerseits solle die psychische Gesundheit und Resilienz junger Menschen gestärkt werden, andererseits gerieten wichtige soziale Unterstützungsstrukturen zunehmend unter Spardruck. Die Vielzahl der Reformvorhaben zeige, dass der Berufsstand derzeit von mehreren Seiten unter Druck gerate.

Umso wichtiger sei es, die Stimme der Profession mit Nachdruck in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Julia Leithäuser  machte deutlich, wie die Kammer ihre fachliche Expertise kontinuierlich in Gesetzgebungsverfahren und politische Beratungen einfließen lässt. So begleite sie unter anderem die Reformen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens und zur Notfallversorgung und setze sich gegenüber Politik und Selbstverwaltung für verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung ein. Dazu gehöre auch der Erhalt des Direktzugangs zur Psychotherapie, der im Zuge der Überlegungen zu einem Primärarztsystem infrage gestellt werden könnte. Die Kammer erwarte nun den angekündigten Referentenentwurf und beobachte den weiteren Prozess sehr aufmerksam.

Psychotherapie in Anstellung

Die gesundheitspolitischen Veränderungen treffen auf einen Berufsstand, der sich fachlich kontinuierlich weiterentwickelt – dessen Strukturen vielerorts jedoch noch nicht Schritt gehalten haben. Wie sich diese Entwicklungen im Bereich der Psychotherapie in Anstellung auswirken, zeigte Elisabeth Dallüge . Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die Sichtbarkeit der Profession. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten übernähmen in Kliniken, Beratungsstellen und weiteren Einrichtungen längst verantwortungsvolle Aufgaben, ihre fachliche Kompetenz spiegele sich aber häufig noch nicht in den Strukturen, Leitungsfunktionen oder tariflichen Eingruppierungen wider.

Vor diesem Hintergrund warb Elisabeth Dallüge dafür, die psychotherapeutische Expertise selbstbewusst sichtbar zu machen und vorhandene Gestaltungsspielräume zu nutzen. Sie machte deutlich, dass die bestehenden Regelwerke einer Übernahme von Leitungs- und Führungsverantwortung grundsätzlich nicht entgegenstünden. Vielmehr gelte es, historisch gewachsene Strukturen weiterzuentwickeln und die Kompetenzen der Profession ihrem tatsächlichen Stellenwert entsprechend anzuerkennen. Sichtbarkeit beginne im beruflichen Alltag – dort, wo Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Expertise selbstbewusst vertreten.

Umsetzung der Weiterbildungsordnung

Die neue psychotherapeutische Weiterbildung nimmt in Nordrhein-Westfalen zunehmend Gestalt an. Vorstandsmitglied Georg Schäfer  zeigte anhand aktueller Zahlen, wie weit ihre Umsetzung bereits vorangeschritten ist. Demnach seien 27 Weiterbildungsstätten mit insgesamt 613 genehmigten Weiterbildungsplätzen zugelassen. Während die Erwachsenenpsychotherapie bereits gut aufgestellt sei, bestehe insbesondere im stationären Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie weiterer Ausbaubedarf.

Die genehmigten Plätze könnten den aktuellen Bedarf zunächst decken – vorausgesetzt, sie würden tatsächlich als Weiterbildungsstellen eingerichtet. Noch fehlten dafür jedoch die notwendigen Finanzierungszusagen des Gesetzgebers. Solange sie ausstünden, existierten die genehmigten Plätze nur auf dem Papier. Dennoch sei es wichtig, den Aufbau der Weiterbildungsstrukturen voranzutreiben. Georg Schäfer warb dafür, dass sich Praxen, Kliniken, Medizinische Versorgungszentren und weitere Einrichtungen frühzeitig an der Weiterbildung beteiligen. Die Kammer begleite interessierte Mitglieder bei der Antragstellung und unterstütze sie beim Aufbau entsprechender Strukturen.

Mitwirkung in der Kammer

Berufspolitik lebt vom Engagement ihrer Mitglieder. Julia Leithäuser stellte Möglichkeiten vor, sich aktiv in die Kammerarbeit einzubringen – etwa in den Kommunalen Gesundheitskonferenzen, um gesundheitspolitische Themen vor Ort mitzugestalten, oder als leitende Notfallpsychotherapeutin beziehungsweise leitender Notfallpsychotherapeut, um Verantwortung in Krisensituationen zu übernehmen. Kammermitglieder mit entsprechender Qualifikation seien eingeladen, ihre Erfahrung in beiden Bereichen einzubringen und die psychotherapeutische Versorgung vor Ort aktiv mitzugestalten. 

In der abschließenden Diskussion griffen die Teilnehmenden zahlreiche der vorgestellten Themen auf. Der lebhafte Austausch zeigte einmal mehr, wie sehr die Regionalversammlungen als Forum für Information, kollegialen Austausch und gemeinsame berufspolitische Impulse geschätzt werden.

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