Der Tag der Neuapprobierten informierte über Selbstverwaltung und Berufsstart
Zum Tag der Neuapprobierten am 26. September 2026 begrüßte Andreas Pichler, Präsident der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfalen, rund 90 Teilnehmende in der Geschäftsstelle der Kammer in Düsseldorf. Zur Approbation gratulierte er ihnen herzlich. Sie alle hätten mit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Zeit als Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) einen anspruchsvollen Weg gemeistert.
Der traditionelle Informationstag solle neuapprobierten Kammermitgliedern die Selbstverwaltung als berufliche Heimat näherbringen und Orientierung für den Berufsstart geben, erklärte Andreas Pichler. Er ermunterte die Teilnehmenden, neben dem Vortragsprogramm auch die Beratungsstände aufzusuchen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Grundlagen, Aufgaben und Angebote der Kammer
Mit ihren 25 Jahren sei die Kammer vergleichsweise jung, stellte Andreas Pichler in seinem Vortrag heraus (den Bericht über die Jubiläumsfeier im September 2026 finden Sie hier). In der Gesundheitslandschaft sei sie heute gut vernetzt und als Gesprächspartnerin gefragt. Zu ihrem breiten Aufgabenfeld gehörten unter anderem die Qualitätssicherung und Entwicklung von Qualitätsstandards für die Berufsausübung, die Begleitung politischer Entscheidungsprozesse, die Unterstützung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie Fort- und Weiterbildung. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts sei die Kammer Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Neutralität verpflichtet. So habe sie etwa die beschlossenen Honorarkürzungen in der Psychotherapie sachlich kritisiert und vor möglichen Folgen gewarnt. Offensivere Lobbyarbeit müsse sie hingegen Interessensvertretungen wie Berufs- und Fachverbänden überlassen.
Um über Kammeraktivitäten und Themen der Berufsausübung auf dem Laufenden zu bleiben, empfahl Andreas Pichler den Neuapprobierten, sich in den E-Mail-Verteiler einzutragen und den Newsletter zu abonnieren. Auch ein regelmäßiger Blick auf die Kammer-Homepage lohne sich: Dort fänden sich unter anderem Meldungen und Stellungnahmen, Hinweise auf Fachveranstaltungen und Fortbildungen, Kammer-Publikationen wie „Empfehlungen zur Dokumentation“ und „Regeln zur Außendarstellung“ sowie die Zeiten der Mitgliederberatung.
Angebote zur Altersvorsorge über das Versorgungswerk
Wie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über das Versorgungswerk der Kammer [externer Link] für ihre soziale Absicherung sorgen können, skizzierte Carl Schröder, Leiter der Abteilung Mitgliederbetreuung/Leistungsverwaltung. Die Angebote der berufsständischen Altersvorsorge fasste er als „Quartett der Sicherheit“ zusammen: Neben der Altersrente könnten Ansprüche auf Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente sowie Reha-Zuschüsse erworben werden.
Das Versorgungswerk biete Möglichkeiten für unterschiedliche berufliche Situationen und Biografien, stellte Carl Schröder heraus. So seien Sonderzahlungen möglich. Bei einer Existenzgründung könnten fünf Jahre lang einkommensunabhängig Beiträge eingezahlt werden, bei einer angestellten Berufstätigkeit bestehe die Möglichkeit, sich von der Beitragspflicht befreien zu lassen. Grundsätzlich wirkten sich insbesondere Beitragszahlungen in jungen Jahren positiv auf die spätere Rentenhöhe aus, betonte der Experte. Für Simulationen zur möglichen Rentenhöhe und für weitere Informationen verwies er auf das Mitgliederportal des Versorgungswerkes.
Wege in die vertragspsychotherapeutische Versorgung
Nach der Approbation rückt häufig die Frage nach Tätigkeitsmöglichkeiten in der vertragspsychotherapeutischen Versorgung in den Fokus. Da in Nordrhein-Westfalen überwiegend nur ein bestehender Kassensitz übernommen werden kann, beschrieben Oliver Pellarin und Alexander Konrad von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) insbesondere das Ausschreibungs- und Nachbesetzungsverfahren. Ihre Informationen ergänzten die Niederlassungsberater mit Tipps für ein gutes „Match“ zwischen Praxissuchenden und -abgebenden. Zudem könnten Modelle wie Jobsharing oder Sonderbedarfszulassungen den Einstieg in die vertragspsychotherapeutische Versorgung eröffnen, erklärten Oliver Pellarin und Alexander Konrad.
Die Neuapprobierten interessierten sich zudem für mögliche Folgen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die Profession. Die Berater erläuterten, dass nach derzeitigem Stand die Auswirkungen der beschlossenen Einsparungen für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten überschaubar bleiben könnten. Genaueres ließe sich allerdings erst nach den Beschlüssen zur Honorarverteilung sagen. Darüber hinaus stellten Oliver Pellarin und Alexander Konrad Unterstützungsangebote der KVen vor und regten an, für individuelle Fragen die Serviceangebote der KVen in Nordrhein [externer Link] und Westfalen-Lippe [externer Link] zu nutzen.
Chancen der Berufstätigkeit in Anstellung
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden im Angestelltenbereich vielfältige Berufsfelder. Elina Kisselenko, stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss „Psychotherapie in Anstellung“, zeigte verschiedene Möglichkeiten auf. Eine angestellte Tätigkeit sei zwar noch immer von Mythen wie fehlender Autonomie, geringem Einkommen und mangelnden Entwicklungsperspektiven umrankt. Die Realität biete aber oft mehr Gestaltungsräume als angenommen. So könnten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Leitungspositionen übernehmen oder als Weiterbildungsbefugte Verantwortung für den beruflichen Nachwuchs tragen.
Elina Kisselenko riet dazu, in Personalgesprächen selbstbewusst Themen wie Kompetenzen, Vergütung und außertarifliche Regelungen anzusprechen. Der Berufsstand sei hoch qualifiziert und habe im Angestelltenbereich bessere Chancen denn je. Sie zu ergreifen, bedeute auch, Strukturen mitzugestalten und die Profession in diesen Berufsfeldern sichtbar zu machen. Als hilfreich beschrieb sie Austausch und Vernetzung auf kollegialer Ebene. Zudem lud sie ein, die Angebote der Kammer für angestellte Mitglieder zu nutzen, darunter Fortbildungen und die Veranstaltungsreihe „Angestellte im Fokus“.
Perspektiven der Berufstätigkeit in der Kassen- oder Privatpraxis
Die Niederlassung bleibt für viele Berufseinsteigende ein attraktives Modell. Kammervizepräsidentin Julia Leithäuser gab einen Überblick über Grundlagen und Besonderheiten der Tätigkeit in eigener Praxis.
Mit der Übernahme eines Kassensitzes gehe eine Reihe von Pflichten einher, etwa die Anbindung an die Telematikinfrastruktur, die Sicherstellung des Versorgungsauftrags und regelmäßige Fortbildungen. Insbesondere für Privatpraxen sei ein gezieltes Praxismarketing bedeutend, sagte Julia Leithäuser. Tätigkeitsschwerpunkte und Kontakte zu ärztlichen Praxen, Beratungsstellen oder Kolleginnen und Kollegen mit Kassenzulassung seien hilfreich, um Patientinnen und Patienten zu erreichen. Bei der Abrechnung psychotherapeutischer Leistungen für nicht gesetzlich Versicherte könne der Sonderfall der Kostenerstattung greifen, erklärte die Vizepräsidentin. Im Alltag sei die Umsetzung der Regelung aus dem Fünften Sozialgesetzbuch jedoch oft mühsam. Abschließend empfahl sie Praxisinhabenden, die eigene Psychohygiene in den Blick zu nehmen und Unterstützungs- und Beratungsangebote von Kammer, Berufs- und Fachverbänden zu nutzen.
Großes Interesse an den Informationsangeboten
Der Tag der Neuapprobierten bot den Teilnehmenden Gelegenheit, sich über unterschiedliche Wege in den Beruf zu informieren, individuelle Fragen zu klären und mit den Referierenden sowie unter einander ins Gespräch zu kommen. Auch die Beratungsangebote wurden rege genutzt. In seinem Schlusswort wünschte Andreas Pichler den Teilnehmenden viel Erfolg für ihren beruflichen Werdegang und die Arbeit in dem spannenden Tätigkeitsfeld Psychotherapie.

































